Dez 22

Das Motiv für den GCT 2018 von Julia Briemle

Für das neue zauberhafte Artwork des Gratis Comic Tags 2018 ist die junge Illustratorin und Künstlerin Julia Briemle verantwortlich, die seit November 2017 für die renommierte Knetgummi-Trickfilm-Schmiede Aardman Animations (u.a. „Wallace & Gromit“, „Chicken Run“, „Flutsch und weg“, „Shaun das Schaf“) Storyboards zeichnet. Ihren Abschluss machte sie an der Animation School Hamburg, aus der zwischen 1998 und 2015 eine ganze Generation talentierter Grafiker, Animatoren, Trickfilmmacher sowie Character- und Gamedesigner hervorging. Als Storyboard-Artist hat sie in den letzten Jahren an diversen Serien- und Kinofilmproduktionen mitgearbeitet, u.a. für Trickfilm-Studios wie WunderWerk, Trickompany (beide in Hamburg), Wild Canary Animation oder SplashEntertainment (beide in L. A.)

Interview

Wir haben Julia Briemle ein paar Fragen gestellt, um sie näher kennenzulernen.

Weißt Du noch, welche Deine allererste bewusste Comic-Lektüre oder -Erfahrung ist? Und gibt es Figuren aus diesen Geschichten, die Dich auch heute noch begeistern?

Die ersten Comic-Geschichten, die ich bewusst gelesen, waren in Magazinen, die ich dann auch gesammelt habe. Das müssen damals an die TV- und Kino-Originale angelehnte Comic-Geschichten rund um „Tom und Jerry“ gewesen sein, und im Anschluss „Arielle, die Meerjungfrau“. Erst recht spät, ich müsste 15 oder 16 gewesen sein, fielen mir „Fathom“ und „Witchblade“, illustriert von Michael Turner, in die Hände. Diese Comics haben mich sehr gefesselt und in die Welt der Comic-Hefte gezogen. Es gibt einige Figuren, die mich auch heute noch faszinieren, wie z.B. Peter Pan …

Hat Dich für Dein GCT-Artwork auch etwas aus der Comic-Welt inspiriert? Oder holst Du Dir lieber Inspirationen aus anderen Bereichen?

Eigentlich inspiriert mich alles, was mich irgendwie persönlich anspricht, ganz egal in welchem Bereich ich mich gerade bewege. Für das neue GCT-Motiv bin ich eher bei einem klassischen Zeichenstil und Aufbau geblieben. Eine konkrete Inspirationsquelle hat es jedenfalls nicht gegeben. Ich habe einfach meine Erfahrung und Beobachtungen einfließen lassen … und natürlich muss ich gleichzeitig die Wünsche bzw. Vorstellungen des Auftraggebers mit einbeziehen.

Du hast auch am etablierten Deutsch-Französischen Comiczeichner-Seminar in Erlangen teilgenommen. Wie war diese Erfahrung, sich speziell auf das Medium Comic einzulassen? Und hast Du einen Tipp mitgenommen, den Du mit jungen Menschen teilen magst, wenn diese Illustratoren und im Besonderen Comic-Zeichner werden wollen?

Ich habe mehrere Male am Comiczeichner-Seminar in Erlangen teilgenommen, das erste Mal 2004, kurz nachdem ich 18 geworden war. Das hat mein Leben definitiv geprägt und mich im Wesentlichen dazu motiviert, das Zeichnen auch als berufliche Perspektive anzugehen.
Tipps geben ist immer schwer, da jeder andere Erfahrungen macht. Für mich persönlich war es super, mich mit vielen passionierten Leuten zu unterhalten, von ihnen zu lernen oder, noch besser, bei gemeinsamen Projekten voneinander zu lernen. Ansonsten ist es einfach wichtig, viel zu zeichnen. Besonders Dinge, die man gerne hat, aber jeder hat Schwachstellen, und an denen muss man auch arbeiten. Mein Vater hat mir schon sehr früh mit auf den Weg gegeben, dass man genau hinschauen sollte, um die Zusammenhänge zu verstehen. Es ist gut, für vieles offen zu sein, nicht zu verkrampfen und aus „Misserfolgen“ zu lernen.

Mit der Kulturwissenschaftlerin Shohreh Jandaghian hast Du auch ein Comic-Projekt namens „Njeri“ in Angriff genommen, das zwischen Afrika und Europa vermittelt. Was ist daraus geworden? Arbeitest Du gerade an anderen Comic-Projekten?

Das war ein Gemeinschaftsprojekt für das Europäische Parlament, bei dem sich viele Zeichner zusammengetan haben. Es nannte sich „Women’s Art Protest Against Female Genital Mutilation“ und die diversen Comic-Geschichten bzw. Illustrationen erschienen als gedruckte Anthologie. Shohreh hatte damals eine sehr bewegende Geschichte geschrieben, die ich dann als Comic umsetzte.
Irgendwann würde ich gerne die Arbeit an einem neuen Comic-Projekt aufnehmen, wenn die Zeit und die finanziellen Mittel es erlauben.

Eingangs haben wir bereits auf Deine zahlreichen Talente hingewiesen, u.a. warst Du auch maßgeblich am wunderbar komischen Zeichentrickkurzfilm Ernst (2008) beteiligt, dessen Hauptfigur auch ein Comic-Sammler sein könnte … Weißt Du schon, in welchem Laden bzw. welchen Läden Du vorbeischauen wirst am 12. Mai, um Dir Deine GCT-Hefte abzuholen, damit Deine Comic-Sammlung wächst?

Ja, das war unser Abschlussfilm an der ASH!
Da ich in der Nähe von Hamburg wohne, werde ich bestimmt einige Läden in der Stadt aufsuchen.

Making-of

Anmerkung: Bei den ersten Entwürfen für das GCT-Motiv 2018 wurde aus praktischen Gründen noch das Layout von 2017 verwendet, zum Ende hin aber natürlich mit dem aktualisierten Hintergrund gearbeitet.


GCT2018-Motiv_Final

4. Schließlich wurde das Motiv reingezeichnet und digital koloriert … et voilá!
Wir hoffen, euch gefällt das Motiv genauso sehr wie uns und der Künstlerin. Ab Anfang 2018 wird es überall zu bestaunen sein, teilweise auch animiert. Haltet also Ausschau danach und postet gerne Fotos davon mit dem Hashtag #GCT2018.
Viel Spaß!